Wettkampfbodybuilding – Was BRINGT mir das?

In der Überschrift findet Ihr die mir wirklich häufig gestellte Frage, die mich überwiegend im Zeitraum meiner Wettkampfdiät erreicht, während ich meine kleine Portion Huhn und Bohnen esse. Wer noch keine Wettkampferfahrung hat, aber regelmäßig und ambitioniert trainiert, wird diese Frage als „Wozu trainierst Du so oft kennen?“. Am witzigsten ist immer dabei „Schmeckt das?“ – Ich bin dann immer etwas am Schmunzeln, denn ich denke, viele Menschen werden schon Huhn und Bohnen (und Reis) gegessen haben und ich bin verwundert, dass es bei mir absonderlich wirkt, nur weil diese Lebensmittel im Zuge einer Wettkampfdiät auf den Tisch kommen.

Aber wieder zum Thema: Die Frage ist eigentlich nicht, was es einem „bringt“, sondern mit welcher Erwartung man an einer Meisterschaft teilnehmen oder aus welcher Veranlassung heraus man starten möchte. Kurz gesagt, bringt es einem rein logisch betrachtet– mit Erreichen eines Finalplatzes – einen Blechpokal. Die könnt Ihr schon für wenig Geld online bestellen und Euch mit allen netten Titeln signieren lassen, auf die Ihr Lust habt. Wenn Ihr gewinnt, habt Ihr ein Jahr lang bis zur Ablöse einen Titel. Den könnt Ihr im Moment der Siegerehrung feiern, den Applaus mitnehmen, später online noch einmal nachlesen und eventuell landet ein Bericht zur Meisterschaft ein halbes bis ein Jahr später in der Flex, so dass Euer Erfolg zu diesem Zeitpunkt nochmal gesehen werden kann. Die kauft Ihr Euch dann und legt sie sorgfältig weg. Viel mehr wird in den wenigsten Fällen passieren, auch wenn es natürlich einige Beispiele gibt, die immer wieder in allen möglichen Bereichen präsent sind (Fotos, Sponsor, Artikel, Werbung etc.). Das kann es also nicht sein, Ihr bekommt auch niemals nicht nur annähernd „heraus“, was Ihr an jeglichem Einsatz „reinsteckt“ und klingt in dieser Form von mir geschrieben so richtig schön sinnlos. Oder? 😉


Aaaaaber wie eingangs geschrieben: Es hängt von Euch ab, was es Euch bringt und ob der Aufwand an Zeit, Geld, Gesundheit und zum Teil Opfern eines sozialen Lebens Euch eine Meisterschaftsteilnahme wert sind.

In meiner ersten Saison bin ich gestartet, weil ich (neben einer Selbsttherapie) wissen wollte, was „drunter“ steckt und was ich erreicht habe. Ob ich einen Look habe, der in meine geliebte Figurklasse passt. Ich war also neugierig und wollte parallel auch eine bestmögliche Platzierung erreichen, damit ich stolz auf mich sein kann. Mein ganzes Leben ist gemütlich und einfach gestaltet, aber hier wollte ich dann einmal zeigen, dass ich wirklich Biss habe und was ich kann! Nachdem ich meine erste Saison als Norddeutsche Meisterin und 7. Platzierte auf der Int. Deutschen Meisterschaft beendete, hatte ich einen Ausgangspunkt, wusste wo ich stand und hatte das Ziel, mich zu verbessern. Mein Ziel des nächsten Wettkampfes war also die Früchte meiner Weiterentwicklung zu ernten und zu sehen, wo ich neben meinen Mitstreiterinnen stehe. So schaffte ich es, erneut Norddeutsche Meisterin zu werden und schaffte auch den Gesamtsieg. Auf der Deutschen Meisterschaft wurde ich 4. Hammer! Dann stand der Loaded Cup 2016 in Aussicht. Ich hatte immer geträumt, dort einmal teilzunehmen. Aufgrund meines Finalplatzes auf der Deutschen durfte ich und so zog ich nach einem Monat Pause in die nächste Diät. Ziel war es dieses Mal, zu sehen, wo ich International stehe und ich hoffte sehr, nicht unterzugehen und es auch irgendwie ins Finale zu schaffen. Ich gab alles was ich konnte und biss mich durch. Ich durfte den 5. Platz mit nach Hause nehmen und war total erfreut. Wie auch schon in der Herbstsaison 2015 genoss ich aber vor allem die Formchecks und das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten. Niemand in meinem nahen Umfeld versteht so richtig, was ich mache. Ich unterhalte mich viel darüber, aber der letzte Funke fehlt halt immer. Ich war total high, fand es wirklich toll auch die Entwicklungen mit zu verfolgen und wie es den anderen Athleten ergeht. Auch hinter der Bühne ist es kuschelig und besonders habe ich auch Freude daran, dass man auf den Meisterschaften dann stets den gleichen Menschen wieder begegnet, auf die man sich freuen kann. Ich liebe das total. Nach dem Loaded Cup entschloss ich dann doch noch die Frühjahrssaison mitzumachen und fuhr auch nach Luxemburg. Die Berliner Meisterschaft sowie der Fed Cup in Luxemburg boten mir viele tolle Begegnungen und Menschen, es war einfach nur klasse. Ich bin eher schüchtern und muss mit Menschen warm werden, ehe ich das Reden anfange (manchmal geht es auch sofort, manchmal nie, aber ich finde bisher nicht raus, woran es liegt). Dort aber kamen soviele Menschen auf einen zu, es war wirklich klasse und so bringen mir die Teilnahmen nicht nur meine 5 bis 10 Minuten Bühnenerlebnis und irgendein Endergebnis, sondern viele Kontakte mit Menschen, die ihn Bezug auf diesen Sport so fühlen und ihn leben wie ich. Ich sehe eine ganz eigene kleine Welt, die sich in dem Moment tatsächlich und live um das dreht, was mir in jeder freien Denkminute und bereits morgens wenn der Wecker klingelt (wenn du sofort aufstehst, bist du schneller fertig, schneller auf der Arbeit, schneller im Feierabend, schneller im Training und kannst an Dir arbeiten!), durch den Kopf geht: Bodybuilding, Disziplin, Entwicklung, Leidenschaft, Muskeln, Ziele…

Ich möchte auf jeden Fall zu jeder Meisterschaft das Allerbeste was möglich ist aus mir herausholen, mich weiterentwickeln, jedes Mal wieder meine Form toppen und natürlich hoffe ich, in einem Feld einmal so gut zu sein und zu bestehen, dass es auch über die Landesmeisterschaft hinaus für ganz nach vorne reich. Ich war letztes Frühjahr wirklich sehr enttäuscht, dass ich keinen Finalplatz auf der Deutschen erreicht habe. Denn, wie letztens bereits auf meinem Instagram Account geschrieben, ist ein Pokal für mich eine Herzensangelegenheit und ein persönliches Symbol dafür, was ich in meiner Vorbereitung geleistet habe und alles, was mir davon bleibt. Dabei ist es gar nicht einmal unbedingt der Zusammenhang mit dem verpassten Finalplatz, sondern wirklich, weil doch jeder Athlet einen Kampf gegen sich selbst gewonnen hat. Unverrichteter Dinge und nach der Vorwahl wortlos über eine Liste, auf der man nicht steht, aussortiert zu sein, ist tatsächlich etwas, was es da im ersten Moment zu verkraften gibt. Damit man daran über die Enttäuschung hinweg nicht zu lange zu knabbern hat, muss man sich bewusst machen, aus welcher Intention heraus man startet und was es einem außer einer Platzierung alles noch an Erfahrungen geben kann. Ehrgeiz ist hier das A & O, aber man sollte die richtige Einstellung mitbringen, damit man gerne auf seine vergangene Saison zurückblicken mag.

2 Kommentare

  1. Sehr schöner und ehrlicher Artikel der auch Leuten die sich dem Eisensport nicht verschrieben haben ein wenig Einblick in die Motivation zum Training mit Gewichten, nicht nur 3 mal die Woche 20 Minuten wie in einschlägiger Werbung ja ständig suggeriert wird, gibt.
    Super Bilder vom Wettkampf bei einer wirklich guten Form.
    Mach weiter so dann werden irgendwann auch die Neider überzeugt

    Gefällt 1 Person

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