Auf einmal Krebs?!

Wer heute diesen Artikel liest, wird von meiner Diagnose und meinem Umgang damit erfahren, die ich am 06.01.2021 erhalten habe. Den folgenden Text schrieb ich am 26.01.2021 mit dem Kenntnisstand, den ich da hatte. Er wird nun die kommenden Tage fortgesetzt.

Ich glaube, ich gehe zum Teil anders mit „dieser Sache“, die laut Hausarzt „schon wieder wird“ um, als es andere tun oder können. Aber lest selbst…

Ich nahm am 06.01.2021 einen Termin bei einer Frauenärztin wahr. Lust hatte ich nicht und ich wusste, ich hätte auch schon früher als Notfall einen Termin erhalten können. Aber ich vermied diese ganze Maskerade wo ich konnte und war daher noch für etwas Zeit dankbar, die ich mir einfach gab. Ich hatte seit Sommer Beschwerden in Form von Blutungen, die zu häufig vorkamen und „anders“ waren, ab Herbst so gut wie durchgehend. Dazu kamen im Laufe der Zeit die Unterleibskrämpfe. Sie wurden regelmäßiger und heftiger. Zuvor merkte ich schon, dass ich nach dem Sex leichte Übelkeit und Bauchweh wahrnahm. Zuletzt sah ich Blut nach dem Sex. Google meinte, die Beschwerden würden auf Zysten hinweisen und ich fand das soweit schlüssig und aufschiebbar. 8 Jahre war ich bereits nicht in einer Frauenarztpraxis. Ich war nach schon vorherigen 6 Jahren beruhigt, dass ich da schon nichts falsch mache. Die Frauenärztin damals sagte: „Die 6 Jahre Abstinenz haben Ihnen nicht geschadet und ich dachte mir so: „Ja, was sollte denn auch sein?“ Mir war nichts dazu bekannt, warum man diese Vorsorge machen sollte, obwohl meine Gesundheit immer sehr von mir geschätzt und beachtet wurde. Tatsächlich war das aber ziemlich naiv:

Wenn die ersten gutartigen Gewebeveränderungen sich abzeichnen kann man diese beobachten und notfalls ausschaben, ehe sich bösartige Zellen daraus entwickeln (Google: Dysplasie, Konisation) und das „Problem“ gutartig im Keim ersticken. Oder es werden bestimmte Typen der HPV Viren festgestellt, die die häufigste Ursache für Gebärmutterhals sind. Dann wird man engmaschiger untersucht und kann eingreifen, wenn es zu Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals kommt. Wenn man jedoch so unwissend und naiv handelt wie ich, dann wächst in einem Zeitraum von bis zu 10 Jahren schon einmal Gebärmutterhalskrebs zurecht – so geschehen bei mir. „Ich kann Ihnen nichts gutes sagen“ oder so ähnlich hörte ich von der netten Frauenärztin, die ich an diesem Tag erstmalig kennenlernte. Es tat mir leid, dass so ein erster Kontakt zu mir zustande kam – Sie musste direkt schlechte Nachrichten vermitteln. Sie rief im UKE an und ermöglichte mir dort eine Folgeuntersuchung in der Dysplasie Sprechstunde für den Nachmittag. Ich dachte: „Hm, das kann man doch rausnehmen und gut, habe ja keinen Kinderwunsch.“

Ich erzählte meinem Freund ersteinmal nichts und fuhr zu der bereits bestehenden Kaffee-Verabredung bei Katja. Wir versuchten noch kreativ zu sein, was es alternativ sein könnte, aber das hatte nicht wirklich Erfolg, Optionen gab es da wenig. Auf dem Weg zur ihr wollte ich mich bereits gut informieren. Ich nutzte Google. Aha. 2/3 überleben die nächsten 5 Jahre. Je weiter fortgeschritten, desto geringer die Chancen. Klar. Dann folgte Youtube. Ich wählte ein Video einer 20jährigen jungen Frau, die über den Weg mit ihrer Erkrankung berichten und aufklären wollte. Sie hatte noch einen Kinderwunsch, weshalb Gebärmutter erhaltend operiert werden sollte. Im Anschluss sollte eine kombinierte Radio-/Chemotherapie folgen. An einer Ampel wollte ich zum Folgevideo klicken, während mein Blick auf einen Kommentar fiel „R.I.P……“. Ok… Definitiv die falsche Videoreihe in diesem Moment für mich! Also schaltete ich schnell auf einen Bodybuilding Kanal und war zurück im Schönen.

Erfreulicherweise durfte Katja mich zur Untersuchung ins UKE begleiten. Der Verdacht wurde von der dortigen Ärztin bestätigt. Es wurden eine Biopsie gemacht und Überweisungen für MRT und CT ausgestellt. Danach Blutabnahme. Ich fragte die Ärztin, ob man den Tumor, der 2,9cm groß sein sollte und auch vom Gebärmutterhals auf die Scheide übergegangen war operieren kann. Ich hörte den Satz: „In Fällen wie Ihrem operieren wir nicht mehr. Da ist eine Radiochemotherapie die Therapie der Wahl.“

Nach der Blutabnahme war der Aufenthalt im Krankenhaus dann erledigt. Ich nahm Katja in den Arm, der es sehr leid tat und die sehr mitfühlte. Sie weinte etwas und ich tröstete sie. Abends musste ich meinem Freund davon erzählen, der schon spürte, dass etwas „nicht stimmt“, obwohl ich Nachrichten wie immer schrieb und mir aus der Ferne nichts anmerken ließ. Auch er wurde von mir getröstet. Nach Hause zu kommen fühlte sich anders an. Irgendwie endlich. Ich betrachtete die Einrichtung. Sie wäre auch ohne mich da…

Die Ärztin im UKE sagte, dass eine OP deshalb nicht in Frage käme, weil der Krebs über den Gebärmutterhals hinaus gewachsen sei, nämlich die Scheide runter, erstes Drittel. Stadium IIa. Stadium IIa blieb es auch nach MRT und CT, da keine Metastasen in Lymphknoten leuchteten und alle Organe super aussahen. Nicht einmal ein Sportlerherz (Pöh). Die Empfehlung war also Radio-Chemotherapie. Mit meinen(!) Worten: Eine Kombination zweier krebserregender Therapien, die alles, was an Zellen schnell wächst (gute Zellen sowie entartete) zerstören um dabei zu hoffen, dass die unerwünschten Krebszellen ausreichend und vollständig zerstört werden. Alle paar Wochen wieder Röntgen usw. um zu gucken, ob es geklappt hat. Zuerst dachte ich mir, ok… Dann hole ich das Beste raus, suche mir einen Heilpraktiker, mache Vitamin C Infusionen, ergänze alles, was sein muss und trage dazu bei, was ich kann. Ich kaufte mir das Buch „KrebsLeben“ und informierte mich tiefgreifender zu Ernährung und Diäten bei Krebs. Dass Krebs von Zucker lebt und sich ernährt, wusste ich ja schon länger. Im Supplemente Kühlschrank (Einbaukühlschrank als normaler Schrank benutzt) fand ich Kreuzblütler Extrakt (Di-Indolyl-Methylan) aus Diät Zeiten. Dieser hat wissenschaftlich nachgewiesen den Effekt, die Progression von Krebszellen zu stoppen. Das nahm ich ab sofort dreimal am Tag und dann noch alle 3 Stunden 500mg Vitamin C.

Als ich Sylwia traf, wollte ich sie sowie mich überzeugen, dass wenn jemand so eine Radiochemo gut und heil überlebt, ich das sein könnte. Ich wisse ja soviel, sei gerade gut ernährt und hätte ja auch gutes, nicht schädliches Gewicht über (nicht schädlich steht für kein flauschiges Übergewicht, welches für stille Entzündungswerte sorgt). Nachdem Sylwia sagte, sie würde sich alles rausreißen lassen, meinte ich, dass ich das auch würde, aber es nicht ginge. Sie fragte nach zweiter Meinung und sie hatte sowas von Recht! Hier darf ich nicht zu faul und bequem sein, denn die Radiochemo ist eigentlich doch mein Albtraum und ich glaube da nicht an Heilung, sondern eine Dauerschleife. Niemand weiß, ob sie anschlägt, welche chronischen Beschwerden sie auslöst, ob ich mich je wieder davon erhole oder gar überhaupt heile. Das gesamte Immunsystem wird zerstört und es werden teilweise bei Patienten Bluttransfusionen nötig. Dazu gibt es einen Haufen Medikamente während dieser Therapie, um die ganzen Nebenwirkungen, angefangen bei Übelkeit und Erbrechen, Durchfälle, Nervenstörungen u.v.m. aushalten zu können. (*Natürlich sind Frauen auch dadurch geheilt worden, sonst würde man diese Therapie ja auch nicht in den Leitlinien haben)

Ja, ich hatte nun Krebs. Aber ich fühlte mich nicht krank. Wollte ich auch nicht! Ich habe Beschwerden ja, aber die kennt man als Frau, war jetzt nichts außergewöhnliches. Ich wollte einfach jeden Tag weiter so schön wie möglich. Eine Therapie anfangen, mit der es Tag für Tag mit mir bergab, anstatt bergauf ging, das wollte ich nicht. Meine Abneigung wuchs bis ins Extreme. Ich dachte darüber nach, auf ein Wunder zu hoffen, wenn keine Operation möglich sein sollte.

Nachdem ich Sylwia traf ging es dann an den Laptop: Also Google, UK Essen gefunden und Terminanfrage gemacht. Mit dem Ziel zu hören, dass eine OP doch in Frage kommt, fuhr ich am 19.01.2021 dorthin und nahm alle Befunde mit. Sie ist nicht ausgeschlossen, hörte ich und Prof. Dr. Kimmig meinte, er ginge davon aus, dass ich wieder ganz gesund werde. Das wollte ich doch hören. Check.

Ich vereinbarte einen Termin für weitere Untersuchungen zur Sicherheit: Weitere Biopsie, da die erste noch keine böse Zelle ausgewiesen hatte, Darm- sowie Blasenspiegelung zur Sicherheit. Zum Glück unter Vollnarkose… Wer weiß, ob ich sonst jetzt beim Beginn dieser Story hier im UK Essen sitzen würde oder nicht einmal diesen Weg gegangen wäre. Morgen sind die Untersuchungen.

In meinem Kopf sind Gedanken wie „Was wenn die OP nicht möglich ist? Ist danach alles normal? Kann ich wieder schwer trainieren? Würde etwas verletzt werden? Hält meine Blase?“ Bei einer OP würden neben Gebärmutterhals die Gebärmutter, ein Stück Scheide, evtl. die Eierstöcke und dazugehörige Lymphknoten entfernt. Zunächst würde ich liegen müssen, 6 Wochen mindestens keine 5kg tragen und dann ist dringend Beckenbodengymnastik geboten, damit ich mit dem Wasserhalten keine Probleme bekomme. Wenn eine OP nicht möglich sein sollte, würde ich nach heutigem Stand 1. noch eine Klinik dafür anfragen und 2. wenn dort auch ein nein kommt nichts machen, es sei denn, eine Insulin-potenzierte Chemotherapie mit nur 20% Wirkstoff, wenn die Krankenkasse die Kosten tragen würde. Die OP würde ich mit Roboter gestützter Technik und kleinen Schnitten wollen, kein Bauchschnitt. Kosmetisch klar, aber auch wegen der Heilung, Verwachsungsgefahr bei Bauchschnitt, Infektionsgefahr, weniger Blutung bei dieser Wahl etc.

Mir wurde aus statistischen Gründen (LACC Studie) zum Bauchschnitt geraten, da laut einer Studie da weniger Rückfälle zu verzeichnen wären. Und das deutlich. Aber ich denke, man lernt neue Techniken immer besser anzuwenden und zu beherrschen und notfalls ist es mein Schicksal. So denke ich heute. Wer weiß, ob sich die Meinung hält. Ich hoffe einfach sehr auf eine feste Zusage, sonst wird meine Stimmung stark sinken, die ich die ganze Zeit positiv und oben halte, bis auf einen Tag, an dem ich mich dank Gedanken an Chemo und Radio in Windeln als Pflegefall sah. Das ist nicht mein Leben, wie ich es mir vorstelle und meine Vorstellung ist ganz schlicht zu beschreiben: Jeder Tag soll mit möglichst guter Stimmung gelebt werden können und es soll mir gut gehen. Eine verlängerte Lebenszeit, die Leidenszeit wäre, brauche ich nicht. Aktuell fühle ich mich top fit und das wird keine zerstörende Therapie ändern!

Fortsetzung folgt.

Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Komplementäre Krebsmedizin – Biologische Krebstherapie – Naturheilverfahren bei Krebs – Beratung Krebspatienten und Angehörige – Biologische Krebsabwehr e. V. – Biokrebs.de

Herzlich willkommen in unserem Forum! – Forum der Frauenselbsthilfe Krebs

Deutsches Krebsforschungszentrum (dkfz.de)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s